Du bist Mitglied bei den Bochumer Toastmasters, bist jetzt hier zu Gast bei Selbstredend Münster Toastmasters. Ich würde gerne fragen, wo es Dir besser gefällt, aber ich habe Angst vor der Antwort. Deshalb frage ich mal so: Wo siehst Du die Unterschiede zwischen diesen beiden Klubs?
Der größte Unterschied zwischen dem Klub in Münster und Bochum ist die Lockerheit hier. Wenn man hier reinkommt und auf der Bühne steht, fühlt man sich sehr familiär und willkommen. Die Atmosphäre ist total entspannt. In Bochum ist das etwas anders. Wir sind dort vielleicht ein Stück strikter und penibler. Wir wollen die Agenda schnell abarbeiten und als Publikum sind wir während der Reden nicht so offen oder fröhlich gegenüber den Rednern. Hier in Münster empfinde ich das Publikum viel entspannter, was dem Redner ein richtig gutes Gefühl gibt, auf der Bühne zu stehen.
Du weißt ja, dass das Interview auf der Website erscheinen kann. Was, wenn die Bochumer das lesen? Werden sie Dir böse sein?
Nein, die Bochumer sind überhaupt nicht böse. Sie sind sehr selbstreflektierend und verstehen das hundertprozentig. Das ist ja auch das Coole an unserem Klub: Wir verbringen viel Zeit zusammen, kennen uns gut. Wir wissen genau, wo die Stärken und Schwächen des Klubs liegen und arbeiten gemeinsam daran, ihn besser und größer zu machen, damit noch mehr Menschen selbstbewusst vor Leuten sprechen lernen.
Spannend. Du hast in diesem Jahr den „Speaker’s Jam“ organisiert. Kannst Du kurz erklären, was der „Speaker’s Jam“ genau war? Und wie war Deine Erfahrung?
Sehr gerne, Robin. Der „Speaker’s Jam“ war ein Event, bei dem sich alle Toastmasters aus der Area und Umgebung an einem Samstag treffen konnten, um vor einem neuen Publikum zu sprechen. Der Grund, warum ich den „Speaker’s Jam“ ins Leben gerufen habe, war, den erfahrenen Rednern aus unseren Klubs die Möglichkeit zu geben, den nächsten Schritt zu wagen – nämlich vor Leuten zu sprechen, die sie noch nicht kennen. Immer noch in einem sicheren, unterstützenden Umfeld. Es geht darum, aus der Komfortzone rauszugehen.
Ich hätte nie gedacht, wie schwer es ist, 30 Leute an einem Samstag zu einem solchen Event zu bewegen. Anfangs dachte ich, das wäre einfach: Bühne auf, Leute kommen und reden. Aber der Organisationsaufwand war enorm, rund 80 bis 100 Stunden. Es war viel Arbeit, viele überzeugen und alles koordinieren.
Das klingt echt krass. Ich war ja selbst dort, habe auch eine Rede gehalten. Für mich war es super entspannt, einfach hinzugehen und diese nächste Stufe zu machen, aber ohne Wettbewerbsdruck, ohne Platzierungen. Einfach vor einem größeren, unbekannten Publikum zu sprechen. Danke, dass Du uns diese Möglichkeit gegeben hast.
Das freut mich sehr zu hören, Robin!
Du bist ja kein Neuling hier. Besuchst Du auch andere Klubs oder bist Du mittlerweile Fan von Selbstredend?
Mittlerweile seid ihr hier mein Lieblings-Klub, den ich gern besuche. Aber ich bin auch in anderen Klubs unterwegs, war letztes Jahr noch bei den Essenern und Dortmundern. Das mache ich, um nicht nur vor Leuten zu sprechen, die ich kenne, sondern mutig vor völlig neuen Publikum zu reden. Das hat mich enorm weitergebracht.
Ich kann nur empfehlen, auch mal andere Klubs zu besuchen. Zu schauen, wie reagiert ein unbekanntes Publikum? Bin ich schon so selbstsicher, dass es mir egal ist, oder habe ich noch Luft nach oben? Ich erinnere mich noch, dass ich beim ersten Mal in Dortmund, obwohl ich in meinem Klub sicher war, plötzlich wieder angefangen habe zu zittern. Aber diese Erfahrung macht einen wirklich selbstsicherer.
Das ist ein toller Tipp, besonders für viele Selbstredner bei uns, die eher Heimredner sind und meistens nur in ihrem Klub sprechen. Wie würdest Du uns überzeugen, zum Beispiel mit einem Argument, dass wir mal zu euch nach Bochum zum Klubtreffen kommen?
Danke für die Frage, Robin. Ich möchte nicht, dass sofort alle nach Bochum kommen, sondern erst einmal hier in Münster ihre Basis festigen. Wenn ihr hier sicher seid und merkt, dass ihr den nächsten Schritt gehen wollt, wäre Bochum die perfekte Gelegenheit, mal zu besuchen. Dort könnt ihr sehen, wie wir einen Abend gestalten und vor allem Feedback aus einer neuen Perspektive bekommen.
Jeder Klub hat eine eigene Dynamik und eine eigene Art zu sprechen. Wenn ihr andere Klubs besucht und Feedback einholt, bekommt ihr neue Impulse und Blickwinkel, die euch voranbringen.
Danke Dir für Dein Feedback und die Einblicke, sowohl bei Deinen letzten Besuchen bei uns als auch heute im Interview.
Danke, Robin.
Das war unser Interview mit Daniel – vielen Dank für die offenen Einblicke und die inspirierenden Gedanken! Dieses Interview fand zwischen Robin und Daniel vor Live-Publikum auf der Bühne des Zimmertheaters statt. Anschließend wurde es transkribiert, überarbeitet und von Daniel für die exklusive Veröffentlichung auf der Website von Selbstredend! Münster Toastmasters freigegeben.
Wir bedanken uns herzlich bei unserem Gast aus Bochum für die ehrlichen Antworten und die inspirierenden Impulse. Falls ihr mehr über den „Speaker’s Jam“ erfahren wollt oder Lust habt, mal andere Klubs zu besuchen, sprecht uns gern an. Bleibt mutig und erweitert eure Komfortzone – das bringt euch als Redner*innen enorm weiter!

